Q-Wurf

 

25.03.2026   -   Tag 2  (36 Stunden)

Wir haben schon prima zugelegt in der kurzen Zeit, gut ein Achtel unseres Geburtsgewicht (auch wenn in der Literatur steht, dass Welpen anfgang auch gerne erst noch an Gewicht verlieren, bevor sie langsam wieder zulegen): 

 

Während wir am ersten Lebenstag noch fast ununterbrochen getrunken haben, beginnen wir nun damit, nach jeder Mahlzeit erst einmal ein kleines Nickerchen zu machen. Zurzeit sind wir aber trotzdem noch vergleichsweise viel wach, da unsere Organe noch zu unausgereift sind, um die Muttermilch optimal verwerten zu können und Reserven schaffen zu können. Darum müssen wir in recht kurzem Abstand immer wieder neue Nahrung aufnehmen. Mit zunehmender Optimierung werden die Abstände zunehmend länger werden und dann verschlafen wir erstmal noch ca. 90% des Tages. Als sogenannte Nesthocker sind viele wichtige Organe noch nicht fertig ausgebildet. So sind wir unbedingt noch auf die Hilfe unserer Mutter angewiesen, die wirklich fürsorglichst für uns sorgt. Dass wir blind und taub zur Welt gekommen hat durchaus seinen Sinn, denn warum sollten wir uns in den ersten Lebenstagen schon kümmern, wenn irgendwo Drumherum etwas los ist. Trinken und Schlafen im Wechsel, das reicht völlig aus. Alles andere würde nur unnötige Energievergeudung bedeuten.

Würden wir draußen in der Natur groß werden, macht unser Nesthockerdasein noch mehr Sinn. Denn würden eventuelle Feinde uns ausmachen, sind wir mit unserem derzeit nur kleinen möglichen Aktionsradius recht sicher. Denn Weglaufen wäre momentan sowieso noch keine Option, da unsere Motorik noch stark eingeschränkt ist.  Denn momentan bewegen wir uns noch eher krabbelnd fort, wobei unsere Hinterbeine schon jetzt einen kräftigen Schub zeigen und auch mal den Körper kurzzeitig hochstemmen können. Unsere Muskeln reagieren bevorzugt mit Beugereizen. Streckreize, die Grundvoraussetzung zum Stehen sind, folgen erst später. Wir robben wir eher mehr durch die Gegend. Aber wir können uns mit dem Vorderkörper auch schon aufrichten. Denn nur so kommen wir auch an die überlebenswichtigen nötigen Zitzen. 

Das heißt aber nicht, dass wir hier nur phlegmatisch herumliegen. Erwärmt vom Trinken und jetzt wo Mama zur Selbstreinigung noch eine etwas erhöhte Körpertemperatur hat, wird es uns auch schon mal zu warm, so dass wir anfangen Ruheplätze zu finden die nicht mehr ganz so dicht an Mamas Bauch sind, wie z.B. zwischen Vorderläufen und auch sehr gerne hinten an den sogenannten Hosen, den Fellpuschen an den Hinterbeinen. Manchmal krabbeln wir auch einfach ein Stück hoch und kommen auf ihrem Rücken zu liegen. Und sobald wir abkühlen legen wir uns wieder dicht ans Gesäuge. Unsere kugelrunden Bäuchelchen sind über Nacht noch dicker geworden, denn wir haben schon gut zugelegt. Die Reste von der Nabelschnur an unserem Bauchnabel beginnen heute bei allen abzufallen, nachdem sie schön eingetrocknet sind. 

Beim Trinken fangen die ersten von uns an mit ihrer Rute hin und her zu wedeln, man könnte schon fast von einem Vibrato sprechen, sobald die Milchquelle erfolgreich sprudelt. Zuvor müssen wir erst einmal andocken und pumpen. Dabei umschließen wir mit unserer großen Zunge samt Mund die Zitze und ziehen sie vor uns zurück. Es sieht fast aus wie Liegestützen, denn gleichzeitig führen wir Beugebewegungen mit unseren Vorderbeinen aus, um uns abzustützen.

 

23.03.2026   -   Geburt

Nach 2 Monaten in Mamas Bauch war es Zeit die Welt da draußen zu entdecken. Dabei war es perfekt in da drinnen, wie in einem Wellness Hotel mit 24h Service. Rund um die Uhr waren wir perfekt versorgt mit allem was wir brauchten, sei es Nahrung oder ideale Umgebungstemperaturen. Nur der Platz wurde so langsam eng, denn das Purzelbäume schlagen fiel zunehmend schwerer, weil man immer irgendwo aneckte. Auch die Gliemaßen ließen sich nicht mehr so richtig strecken und beim Kicken kamen wir immer mehr an räumliche Grenzen. Wie immer hielten sich die Jungs zurück, als es darum ging den ersten Schritt zu tun. So übernahm "Quiet Melody" die schwierige Aufgabe sich als erstes durch die Geburtswege zu zwängen. Unterstützt von Mamas Wehen löste sich ihr bisheriges zu Hause (2 Fruchthüllen) von der Gebärmutterwand (Gürtelplazenta) und sie machte sich, in ihrem Inneren weiter gut geschützt, auf den Weg. Beim Eintritt ins Becken riss die äußere Fruchthülle und der Inhalt half den weiteren langen Weg gleitfähiger zu machen. So robbte sie weiter vorran im Einklang mit den Wehen.

Am Schluss gab es noch eine enge Kurve und dann endlich ging es hinaus. Die Türe hier hätten sie ruhig breiter machen können. Aber die Natur hatte sich was dabei gedacht, denn mein Brustkorb wurden hier nochmal zusammengepresst und beim wieder Auseinandergehen, sog sich automatisch zum ersten Mal Luft in die Lungenflügel (nach sofortigem Öffnen der 2. Fruchthülle am Mäulchen), so stark, dass sie sich entfalten konnten. Dort angekommen baute sich ein starker Druck auf (der nur einem Bruchteil der Atmung eines Erwachsenen entspricht), dass sich die bisherige Flüssigkeit mit einem Mal entleeren konnte. Ein wahres Wunder der Natur. Und damit das auch niemand verpasst, untermalt von einem kurzen Laut, wie bei den meisten Neugeborenen. Von da an scheinen unsere Stimmchen erst mal nicht mehr still zu sein. Die Zweibeiner sind immer wieder aufs Neue fasziniert, wie sehr sie in den ersten Lebenswochen denen menschlicher Babys ähneln in allen Belangen. Nur dass wir weniger Anlass zum Weinen haben, aber viele zum Summen, Brabbeln und Glucksen beim Trinken. Früh übt sich der mitteilsame Collie.

 

Draußen angekommen kamen wir jeweils gleich in den Genuss von Mamas angenehm warmer Zunge, die uns nicht nur fürsorglich sauber leckte, so dass unser Kreislauf und die Atmung weiter angeregt wurden. Eine wahre Wohlfühlmassage, die dafür sorgte, dass es uns gleich ein ganzes Stück wärmer wurde. Dann hat Mama das Anhängsel an unseren Bäuchen, genannt Nabelschnur, gleich nachdem sie uns ausgepackt hatte, gut zerkaut. So konnte sie alleine mit ihren Zähnen die Blutzufuhr einstellen (wozu Operateure extra Klemmen brauchen), so dass auch kein Blut oder anders gesagt kostbarem Lebenssaft, aus unserem Nabel heraustropfen konnte. Dann durchtrennte sie die Nabelschnur vollends und wir waren frei, um die Welt zu erobern.

 

Magisch angezogen von Mamas Bauch, der so viel Wärme abstrahlte, mussten wir uns doch noch kurz gedulden. Denn unser Züchterfrauchen, was wir schon von den Streicheleinheiten an Mamas Bauch kannten, hob uns auf die nebenstehende Waage und war stolz auf unsere kräftigen Geburtsgewichte, bei allen um die 400g! Zurück bei Mama, konnte uns aber nichts mehr abhalten instinktsicher zügig vorwärts zu robben Richtung Gesäuge und richteten uns mit unseren Beinchen gleich auf, um an die Zitzen zu gelangen. Wozu hatten wir sonst schon so lange im Mutterleib trainiert mit Muskelaufbau und Stärkung der Sehnen, während wir "liebevoll" Mamas Bauch von innen mit unseren Tritten massierten. Aber nun konnten wir uns endlich an der köstlichen nährstoffreichen Milch (Kolostrum) erlaben. Es ist wohl so, wie wenn die Zweibeiner eine heiße Suppe zu sich nehmen, die wärmt dann auch schön von innen heraus, so lecker! Und auch der uns bis dahin immer begleitende kraftvolle rhythmische Herzschlag unserer Mama war wieder spürbar, wenn auch viel weit entfernter. Und mit jedem hinzu kommenden Geschwister wurde es noch angenehmer, da ein jeder auch nochmal Wärme abstrahlte, so bildeten wir eine Art dichte Schicht an Mamas Gesäuge und sogen nicht nur ihr Gesöff ein, sondern auch ihre wunderbare Wärme. Einfach schön hier auf Erden!

Wir haben ganz tolle Mama, die liebevollst für uns sorgen, so wie es einst ihre Mütter für sie gemacht haben:

Beim Anvisieren der Zitzen machen wir großräumige Pendelbewegungen mit unseren Köpfchen und nehmen so quasi Fährte auf. (Was es auch fast unmöglich macht scharfe Einzelbilder hinzubekommen). Dabei bewegen wir uns grundsätzlich nur kreisförmig, mit seitwärts gestrecktem Hals, wenn wir weiter weg sind, was verhindert, dass wir verloren gehen. So können wir die Wärme, die unsere Mama abgibt mit Hilfe unserer Sensoren einfacher  aufspüren. Bei ihr angelangt, müssen wir trotz unserer noch geschlossenen Äuglein, nun auch noch das Gesäuge und die einzelne Zitze finden. Das Gesäuge ist nach außen hin der wärmste Ort von Mamas Körper und hebt sich so ab. Und der Bereich um die Zitzen ist besonders dünnhäutig und gut durchblutet, so dass wir auch diese schnell ausfindig machen können. Und ein jeder, der eine Zitze fand; wurde fürstlich mit warmer köstlicher Kolostralmilch belohnt. Einfach lecker!

Kolostrum nennt sich diese erste köstliche, leicht gelbstichige "Erstmilch", denn sie enthält, im Gegensatz zur späteren Milch, in hoher Konzentration für uns überlebenswichtige Nährstoffe, wie Eiweiße, Vitamine und Mineralstoffe, sowie Enzyme, Hormone und Antikörper. So sorgen unsere tollen Mamas gleich für unseren Schutz, sollte sich doch einmal ein Krankheitskeim unerlaubt unserer Truppe nähern. Denn unser Magendarmtrakt ist im Moment noch völlig schutzlos. Das hat den Vorteil, dass die kostbaren Inhaltsstoffe der Kolostralmilch weitestgehend unverdaut durch die Darmwand direkt von unserem Körper aufgenommen werden können. Denn nur so können sie ihre Funktion beibehalten, wie z.B. die Antikörper und Hormone. Nach spätestens 24 Stunden bildet sich im Darm, die für die Verdauung wichtige Schutzschicht aus. Eine Barriere für alle Schadstoffe, aber auch eine für die Inhaltstoffe des Kolostrums. Aber die Natur hat es so eingerichtet, dass diese vorrangig eh nur gleich nach der Geburt konzentriert im Kolostrum zur Verfügung stehen und dann im Tagesverlauf immer weiter abnehmen.

 

Kräftige Welpen wie wir konnten gleich innerhalb der ersten Stunden, in denen die Konzentration noch am höchsten war, reichlich der wichtigen Inhalte aufnehmen und über den Darm in unseren Körper befördern. Kolostrum ist auch weniger fetthaltig, wie die sich anschließend bildende Milch. Die Bakterien zur Besiedlung der Darmflora nehmen wir schon im Rahmen der Geburt auf von unserer Mutter. Auch die Schutzschicht im Magen muss sich erst entwickeln. Erst wenn sie da ist, kann auch die Salzsäureproduktion losgehen, die dort für eine effektive Verdauung sorgt und uns gegen eindringende Keime schützt. Aber es dauert wohl ganze drei Wochen lang, bis dann wirklich der pH-Wert von Neutral ins Saure gefallen ist. Bis dahin sind wir noch besonders empfindlich gegenüber Keimen. Auch Zähne haben wir noch keine, denn ansonsten wären Mamas Zitzen nur unnötig Verletzungsgefahren ausgesetzt werden. Die Milch können wir zum Glück ja auch ohne Zähne schlucken, so wie die Natur es sorgsam vorgesehen hat.

 

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